Panorama: „Schuld beenden ?“

Zu dem Sendebeitrag von Panorama, „wie die AfD die Schuld beenden will“, habe ich, Peter Würdig, den folgenden Text an die Redaktion von Panorama gesendet:

Zuerst eine Bemerkung vorab. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die aktiv im Widerstand im Dritten Reich beteiligt war, die Familie hat einem jüdischen Mitbürger das Überleben in Berlin ermöglicht. Er wurde dann eine bekannte Person im West-Berlin der Nachkriegszeit, und, da er ein guter Freund der Familie war, hatte er auch meine Geburtstage nicht vergessen. Darüber kann ich Einzelheiten erzählen, wenn es interessiert.
In den etablierten Parteien hatte ich mich nie engagiert, insbesondere wegen deren indifferenten Haltung zu den Verbrechen des NS-Regimes. Da gab es ja nicht nur den Adenauer mit seinem Globke, echte Nazis wurden gern in diese Parteien aufgenommen und machten dort Karriere, und das hinderte auch nicht, wenn da welche dabei waren, die persönlich an Verbrechen im Dritten Reich beteiligt waren. Das sollte Panorama mal zum Thema machen.
Schon in den 90-er Jahren hatte ich mich in Leserbriefen dagegen ausgesprochen, die so erfolgreiche D-Mark zugunsten eines Euro zu opfern, aber das wollte damals niemand hören. So habe ich mich dann in 2013 bei der AfD engagiert, da diese Partei das zum Thema hatte (neben anderen).
Ihr Sendebeitrag ist ein recht merkwürdiges Gebräu. Es beginnt mit einem eher unscheinbaren Hügel in Mitteldeutschland, dort sollen in den 30-er Jahren die Feiern des NS-Regimes zum Erntedank abgehalten worden seien. Man fragt sich, wen interessiert das heute noch ? Feiern zum Erntedank hat es in allen Zeiten gegeben, so auch heute noch, und eine Verbindung zu Untaten des NS-Regimes erschließt sich mir an dieser Stelle nicht. Daher frage ich mich, brauchen wir noch eine weitere NS-Wallfahrtsstätte für irgendwelche Neo-Nazis ? Doch eigentlich nicht. Daher frage ich mich, was sollte dieser Beitrag eigentlich? Er reiht sich ein in eine neuere Tendenz, den Führer zu einer Art Pop-Ikone zu machen, häufiger bekommt man jetzt ganz überflüssige Sendungen, in denen Einzelheiten aus dem Privatleben des Führers oder seiner Umgebung genüsslich ausgebreitet werden, die für eine wissenschaftliche oder politische Aufarbeitung wertlos sind, da wirkt sich jetzt für das moderne Publikum, das diese Zeit nicht selbst erlebt hat, wohl eine Art Faszinosum des Schaurigen aus, anders kann ich mir das nicht erklären. Die Medien sollten sich mehr um Probleme kümmern, die für uns heute von Belang sind.
Zum Thema dann endlich führen Sie die Äußerung von Höcke zu einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad an“, aber Sie verschweigen dabei, was Sie sehr gut wissen, dass die Partei sich von solchen Auffassungen distanziert und sich mit dem schärfsten Mittel gewehrt hat, nämlich einem Parteiausschluss-Verfahren. Wenn Sie wichtige Einzelheiten nicht mitteilen, um damit einen falschen Eindruck zu erwecken, muss man wohl hier wieder einmal von „Lücken-Presse“ sprechen. Ich selbst hätte mich für eine Abmahnung ausgesprochen, diese aber rechtzeitig, nämlich als Höcke damals von den „Vermehrungstypen“ fabulierte, was ein ziemlicher Blödsinn ist, als Geschichts-Lehrer hätte er sich besser bei einem Kollegen, einem Biologie-Lehrer, erkundigen sollen. Diese so zitierte „Wende um 180 Grad“ gibt es in der Partei natürlich nicht.
Man will den „Schuldkult“ überwinden, und das ist auch völlig richtig. Um Schuld soll man keinen Kult machen, schuldig sind die Täter, die heute lebenden Deutschen sind es ganz überwiegend nicht. Für diese ist Erinnerung sinnvoll, wie insgesamt für alle Menschen auf der Erde und auch für alle Untaten, von denen es reichlich einiges in der Welt gegeben hat (und noch laufend gibt). Den heute Lebenden ist Schuld nicht zuzurechnen, versucht wird es immer wieder, das erinnert an den Begriff der „Kollektivschuld“, den man nach 45 eingeführt hat, um die Verbrechen der Alliierten zu bemänteln. Und wenn man wirklich nach Schuld in politischen Abläufen sucht, dann sollte man sich bewusst machen, dass es ohne das vielfältige Unrecht im Vertrag von Versaille nicht dazu gekommen wäre, dass eine Clique von Verbrechern ganz demokratisch die Macht im Deutschen Reich erobern konnte.
Eine Partei definiert sich vornehmlich durch ihr Programm. Von daher ist es für die AfD selbstverständlich, dass alle Abläufe in der Geschichte angemessen einzuordnen sind, daran gibt es nichts zu deuteln.
Zum Schluss des Sende-Beitrags werden Sie nun Opfer Ihrer eigenen Propaganda, dass der Besuch von Gedenkstätten zugenommen hat, ist ja positiv zu sehen und hat sicherlich vielfältige Gründe, hängt wohl auch damit zusammen, dass eine Generation herangewachsen ist, die eigenes Erleben aus dieser Zeit nicht hat. Wenn Sie aber meinen, das hätte irgend etwas mit der AfD zu tun, erliegen Sie einem Trugschluss, denn ziemlich sicher besuchen Wähler und Engagierte der AfD die Gedenkstätten so häufig oder selten wie alle übrigen Teile der Gesellschaft auch, warum auch nicht. Von daher ist auch der Rede-Beitrag des Leiters der Gedenkstätte Buchenwald eher merkwürdig, dieser hatte dabei auch „vergessen“ zu erwähnen, dass man hier auch der Opfer gedenkt, die es in Buchenwald nach 1945 gegeben hat, also mussten wir hier schon wieder so etwas wie „Lücken-Presse“ erleben.

 

2018-03-25T19:51:15+00:00 März 25th, 2018|

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