Erst stibt die Klinik – dann sterben wir

++Pressemitteilung++
Jens Kestner, niedersächsischer AfD-Bundestagsabgeordneter & Stephan Bothe, niedersächsischer AfD-Landtagsabgeordneter zur Studie der Bertelsmann-Stiftung, der zufolge 800 Kliniken bundesweit geschlossen werden sollten, um „Qualitäts- und Effizienzsteigerung“ zu erreichen
Erst stirbt die Klinik – dann stirbt der Mensch!
Jens Kestner: „Das Gesundheitssystem wurde gegen die Wand gefahren – und nun will man Leben für angeblich mehr Effizienz riskieren. Das ist rote Politik!“
Stephan Bothe: „Die Umsetzung der Bertelsmann-Studie würde die Lüge über angestrebte „gleichwertige Lebensverhältnisse“ schmerzhaft sichtbar machen!
Schlaganfall. Herzinfarkt. Multiples Organversagen. Jede Minute, jede Sekunde zählt. Schnelle Hilfe kann Leben retten. Nun aber propagiert eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass statt 1.400 deutschen Krankenhäusern lediglich 600 „hochqualifizierte“ Kliniken ausreichen würden, um weiterhin eine flächendeckende Gesundheitsversorgung beizubehalten. Die Realität sieht anders aus. Im niedersächsischen Bad Gandersheim ist neben dem Chefarzt auch der leitende OP-Pfleger erkrankt. Folge? Die Operationssäle wurden für zwei Monate geschlossen und die Patienten wurden an die Helios Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim „weitergeleitet“ und mussten 20 Minuten längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Bad Gandersheim ist keine Ausnahme. In der Schildautal-Klinik in Seesen im Landkreis Goslar streikten 200 Angestellte, weil sie endlich erträgliche Arbeitszeiten und gerechten Tariflohn durchsetzen wollten. In allen niedersächsischen Kliniken rumort es, doch statt Arbeit gerecht zu bezahlen und dadurch auch Anreize für deutsches Pflegepersonal zu schaffen, will die Bertelsmann-Studie unter dem Vorwand „Qualitätssteigerung“ Personal abbauen, Kliniken schließen und lebensbedrohende Risiken für Patienten erhöhen.
Jens Kestner
Mitglied des Deutschen Bundestages
Jens Kestner: „Es stimmt: Niedersachsens Kliniken schreiben überwiegend rote Zahlen, weil nicht mehr nur Menschen, sondern „Kostenfaktoren“ behandelt werden. In Bad Gandersheim, Northeim, Göttingen, der Medizinischen Hochschule Hannover und nahezu in jeder Klinik in Niedersachsen ist der Druck auf Ärzte und Pflegepersonal so groß, dass Menschlichkeit leider hinter Effizienzdenken auf der Strecke bleibt. Und wieso ist das so? Weil es auch in Niedersachsen eine Landesregierung gibt, die privaten Unternehmen die Gesundheitsversorgung überlassen hat. Effizienz statt Humanität. In diesem gewollten Wettbewerb privater und auch staatlicher Kliniken herrscht ein dramatischer Kampf um jeden Cent und die Patienten bleiben dabei auf der Strecke! Rot/Schwarz und zuvor Schwarz/Rot haben das Gesundheitssystem mit vollem Tempo gegen die Wand gefahren. Nun die Schließungen von 800 Kliniken zu fordern, wird vielen Kranken zeigen, dass ihr Vertrauen in die Landesregierung im schlimmsten Fall auch zum Tode führen kann“, so Kestner.
Stephan Bothe: „Die Deutsche Krankenhausgesellschaft DKG spricht von einer Zerstörung der sozialen Infrastruktur in „geradezu abenteuerlichen Ausmaß, ohne die medizinische Versorgung zu verbessern“. „Das sei das exakte Gegenteil dessen, was die Kommission ‚Gleichwertige Lebensverhältnisse‘ in dieser Woche für die ländlichen Räume gefordert hat“, hieß es. Und das stimmt exakt! Das Gerede der etablierten Bundes- und Landespolitik ist nicht nur „heiße Luft“, sondern entpuppt sich jetzt als das, was es ist: Einer Kapitulation vor dem eigenen Versagen. Wer die Situation in Niedersachsens Krankenhäusern kennt, wer „inoffiziell“ mit Ärzten und Pflegepersonal spricht, wird schnell erfahren, dass die Gesundheitspolitik in Niedersachsen und in ganz Deutschland längst kollabiert ist und nur noch künstlich am Leben gehalten wird. Wer auf dem Land lebt und einen Herzinfarkt erleidet soll keine schnelle Hilfe erfahren, sondern muss im schlimmsten Fall einhundert Kilometer transportiert werden, bis man dann dort im bestens ausgestatteten modernen Klinikum den mittlerweile eingetroffenen Herztod diagnostiziert. Das ist absurd und zutiefst menschenverachtend. Und was macht der Bundesgesundheitsminister Spahn? Sucht im Kosovo nach billigem Pflegepersonal, statt dafür zu sorgen, dass endlich in Deutschland ordentliche Gehälter gezahlt werden!“, endet Bothe.
18.07.2019